Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen nach aktuellem wissenschaftlichen Stand zu Aufklärungszwecken bereitgestellt. Er dient der medizinischen Aufklärung und nicht zur Selbstdiagnose. Er ersetzt keine Vorstellung bei einem Facharzt.
Inhaltsverzeichnis
Nach einer auswärts, aufwendig durchgeführten Hallux-valgus-Korrektur – bestehend aus Lapidus-Arthrodese zur Korrektur des Intermetatarsalwinkels (TMT-I-Fusion), Reverdin-Green-Osteotomie am ersten Mittelfußknochen und Akin-Osteotomie an der Großzehe – bestand eine persistierende Fehlstellung mit Rezidiv. Die Patientin berichtete über belastungsabhängige Schmerzen am Ballen mit Schuhkonflikt, Hornhautbildung und Druckstellen; die Großzehe überkreuzte zeitweise die zweite Zehe und führte zu weiteren Reizungen.
Klinischer Befund
Es zeigte sich eine ausgeprägte mediale und plantare Ballenprominenz mit Hochstand des Großzehengrundgelenks; eine Plantarflexion war klinisch nicht mehr möglich. Die Großzehe wich lateral ab und provozierte wiederkehrende Druckstellen an der zweiten Zehe, was das Gangbild deutlich beeinträchtigte und die Schuhverträglichkeit einschränkte.
Bildgebung
Röntgenologisch fanden sich ein vergrößerter IMR-1-Winkel mit nahezu subluxiertem MTP-I sowie ein verkürzter, nach lateral verlagerter Sesambeinapparat. Für die Webdarstellung empfiehlt sich ein kombiniertes Prä-/Postop-Röntgen: präoperativ (blau markiert) werden der vergrößerte IMR-1-Winkel, die ausbauchende Innenrandkontur und die lateralisierten Sesambeine sichtbar; postoperativ (orange markiert) zeigen sich die Parallelstellung von M1–M2, eine begradigte Innenkontur, rezentrierte Sesambeine sowie die korrekte Implantatlage. Verschlissene Gelenkabschnitte mit Gelenkspaltaufhebung sind nachvollziehbar.
Therapieplanung
Nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen wurde eine strukturierte Revisionsoperation geplant. Primäre Ziele waren die Achskorrektur des ersten Strahls mit Reduktion des IMR-1-Winkels und die dauerhafte Stabilisierung der Großzehenachse, um den Zehenkonflikt zu beenden, Druckspitzen zu beseitigen und die Schuhfähigkeit wiederherzustellen.
Operation
Im ersten Schritt wurde die frühere TMT-I-Fusion gelöst, der erste Strahl neu ausgerichtet und mittels keil-/transpositionsartiger Korrektur an den zweiten Strahl angenähert, wodurch der IMR-1-Winkel reduziert wurde. Die Stabilisierung erfolgte über eine plantare, winkelstabile Plattenosteosynthese, die eine Vollbelastung im Verbands-/Spezialschuh bereits unmittelbar nach der Operation erlaubte. Am MTP-I bestand eine ausgeprägte Arthrofibrose in Valgus-/Dorsalstellung; da eine funktionelle Mobilisierung nicht erreichbar war, wurde eine Arthrodese des Großzehengrundgelenks in funktioneller Stellung (ca. 60°) durchgeführt und mit dynamisch komprimierenden Memory-Klammern stabil fixiert. Sämtliche Alt-Implantate wurden im Zuge der Revision entfernt. Ergänzend erfolgte über minimalinvasive Zugänge die Begradigung der Kleinzehen; druckauslösende Prominenzen wurden reduziert und die Zehen für sechs Wochen mit Tape gelagert.
Unmittelbares Ergebnis
Bereits unmittelbar postoperativ zeigten die klinischen Fotos eine nur mäßige Blutung und Schwellung bei einer geraden Zehenreihe ohne Überkreuzen; der Zehenkonflikt war behoben. Die Röntgenaufnahmen dokumentierten die Parallelisierung der Mittelfußstrahlen, rezentrierte Sesambeine, die korrekte Fusionsstellung am MTP-I sowie die regelrechte Lage der plantaren Platte an TMT-I.
Nachbehandlung
Postoperativ durfte die Patientin unmittelbar voll belasten – geschützt im Verbands-/Spezialschuh. Die Kleinzehen wurden für sechs Wochen mit Tape fixiert. Wundverschlüsse erfolgten mittels Klebung, sodass kein Fadenzug notwendig war. Begleitet wurde der Verlauf durch Thromboseprophylaxe sowie engmaschige Wund- und Röntgenkontrollen.
Verlauf
Sechs Wochen nach der Operation waren die Narben reizlos verheilt, die Restschwellung gering und die Zehen standen gerade nebeneinander ohne Überkreuzen; der Übergang in Konfektionsschuhe war möglich, Physiotherapie und Lymphdrainage wurden fortgeführt. Drei Monate postoperativ berichtete die Patientin über eine deutliche Beschwerdelinderung und gute Schuhverträglichkeit; die Schwellung bildete sich weiter zurück, die funktionelle Zufriedenheit war hoch.
Fazit
Während viele Hallux-valgus-Fehlstellungen heute minimalinvasiv adressiert werden können, erfordern komplexe Rezidive nach Voroperationen häufig offene Revisionsverfahren wie die Lapidus-Revision in Kombination mit einer MTP-I-Arthrodese. Die sichere Beherrschung beider Techniken – minimalinvasiv und offen – ist entscheidend, um Fehlstellungen unterschiedlicher Komplexität zuverlässig zu korrigieren. In diesem Fall führten die Achskorrektur des ersten Strahls und die stabile Großzehenachse zu schmerzarmer Schuhfähigkeit und hoher Patientenzufriedenheit.
Mehr Infos:
Frau Anna Peysang
Dr.-medic Melanie Selle
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