Morton Neuralgie | Morton Neurom

Morton Neuralgie | Morton Neurom

Durch Morton Neuralgie, Morton Neurom oder Morton Metatarsalgie versteht man einen Schmerz im Bereich der Fußsohle, zu einem Zwischenzehenraum begrenzt. Es handelt sich um ein relativ häufiges Leiden, welches hauptsächlich bei 50-60 jährigen Frauen entsteht. Patientinnen haben das Gefühl wie auf eine Murmel zu gehen.

 

AUTOR
Dr.-medic Manuel Nastai
Fuß- und Sprunggelenkspezialist

Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen, nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Aufklärungszwecke bereitgestellt. Er dient der medizinischen Aufklärung und nicht zur Selbstdiagnose. Er ersetzt keine Vorstellung bei einem Facharzt.

Was ist ein Morton Neurom?

Der Begriff “Neurom” deutet auf einen gutartigen Nerventumor hin. Dieser Begriff ist irreführend, denn es handelt sich eigentlich um ein Nervenkompressionsyndrom. Der Nerv, der die Haut zwischen zwei Zehen versorgt (Nervus digitales plantares communes, NDPC), wird eingeengt. Aus diesem Grund ist der Begriff “Neuralgie” geeigneter.

Warum entsteht die Morton Neuralgie?

Die Fußsohle wird durch zwei Hauptnerven versorgt: Nervus plantaris medialis und lateralis. Diese teilen sich in 6 Äste, die Zwischen die Mittelfußknochen verlaufen (die Nervi digitales plantares communes, NDPC). Auf Höhe der Zehengrundgelenke teilen sich jeweils in zwei Äste. Jeder Ast versorgt eine Zehenhälfte. Der NDPC verläuft durch einen engen Kanal. Dieser Kanal wird aus den folgenden Strukturen begrenzt: die zwei Mittelfußknochen (seitlich), ein queres Band oben (Ligamentum intermetatarsale profundum, LIMP) und die Haut mit dem Fußsohlenfettpolster unten.

Durch Entwicklung einer Spreizfußfehlstellung, durch das Tragen engen Schuhen oder mit hohem Absatz wird der Nerv in diesem Kanal  eingeengt. Die Nervenkompression entsteht ausschließlich unter Belastung und führt zu einer ständigen Reizung und Durchblutungsstörung des Nervs auf dieser Höhe. Dieser Reagiert durch einer Wucherung seiner Hülle und des benachbarten Gewebes. Diese Volumenzunahme wirkt kontraproduktiv und verschlechtert die Symptomen.

Am häufigsten wird der 3. Intermetatarsalraum betroffen (zwischen dem 3. und 4. Zeh, 68%) und seltener die 2. (32%), 1. oder 4. Intermetatarsalräume.1 

Bei wem entwickelt sich die Morton Neuralgie?

Frauen sind 5 mal häufiger als Männer betroffen2. Die deutlich höhere Inzidenz des Hallux valgus und des Spreizfußes bei Frauen sowie das Tragen hoher und enger Schuhe verursachen diese ungleiche Verteilung.

Das typische Alter ist um den 50.-60. Lebensjahr und synchronisiert sich mit dem Prädilektionsalter für symptomatischen Hallux valgus und Spreizfuß.

Welche Symptome haben Patienten mit Morton Neuralgie?

Die Metatarsalgie bedeutet einen Schmerz unterhalb des Vorfußes. Dieser Begriff ist jedoch ungenau und bringt sehr viele Fußleiden under einem Hut. 

Die Symptomen der Morton Neuralgie sind sehr typisch und deuten direkt dahin. Es handelt sich um einen ausschließlich belastungsabhängigen Schmerz, der durch das Tragen enger und hohen Schuhen verstärkt wird. Das Laufen auf Zehenspitzen verstärkt ebenfalls die Symptomen. Die Lokalisation ist auf einem sehr begrenzten Gebiet (wird vom Patienten punktuell mit der Fingerkuppe gezeigt und der Hauptschmerz kann vom Patienten mit einem Kreis nicht größer als 2-4 cm2 auf der Haut gezeichnet werden.

Der Schmerz wird als brennend oder elektrisierend beschrieben. Die Stärke ist hoch und zwingt den Patienten sich sofort hinzusetzen und den Schuh auszuziehen.

Oft wird eine Ausstrahlung in den zwei benachbarten Zehen, oder als Kribbeln in diesem Bereich berichtet.

Wie wird die Morton Neuralgie diagnostiziert?

Klinische Untersuchung

Die Beschwerden sind relativ typisch und deuten auf der Diagnose hin. Es wird ein Provokationstest durchgeführt. Durch Einengung des betroffenen Intermetatarsalraums zwischen Daumen und Zeigefinger wird der typische Schmerz ausgelöst. Durch das Zusammendrücken der Mittelfußknochen wird ein hörbares oder tastbares Click ausgelöst (Mulders Zeichen). Die Verstärkung des Schmerzens beim Zehenspitzenlaufen gibt einen weiteren Hinweis dafür. 

Röntgen und MRT

Man kann den Morton Neurom in Röntgen-Bilder nicht entdecken. Nichtsdestotrotz gehören Röntgen-Aufnahmen des Fußes unter Belastung zur Standard-Diagnostik der Fußschmerzen und wird immer als Erstes durchgeführt, um andere Ursachen der Metatarsalgie auszuschließen.

Die Kernspinntomographie kann bei ausreichender Größe und ausreichender Bildqualität den Befund darstellen. In manchen Fällen sieht man eine Raumforderung an der typischen Stelle, manchmal wird an dieser Stelle auch Flüßigkeitsansammlung festgestellt.

Ein normaler MRT-Befund schließt eine Morton-Neuralgie nicht aus. Eine diagnostische Infiltration kann in solchen Fällen Klarheit bringen.

Diagnostische Infiltration mit Lokalanästhetikum

Wie bereits erwähnt, wird bei klinischem Verdacht einer Morton-Neuralgie Betäubungsmittel um den Nerv herum gespritzt. Das Ziel ist die Bestätigung der Diagnose durch Ausschaltung der Nervenfunktion. Praktisch wird eine geringe Menge Lokalanästhetikum (2 ml) direkt am Nerv appliziert. Der Patient wird aufgefordert dann den Fuß intensiv für die nächsten ca. 4-8 Stunden zu belasten und das Ergebnis bei einer späteren Untersuchung zu berichten. Bei Morton-Neuralgie erlebt der Patient für die Dauer der Anästhetikumwirkung eine komplette Beschwerdefreiheit und dadurch wird die Diagnose bestätigt.

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Wie wird der Morton Neurom behandelt?

Schuhwerk

Es empfiehlt sich das Tragen von breiten und flachen Schuhen. Durch die individuelle Anfertigung einer Weichbettenden Schuheinlage mit einer retrokapitaler Pelotte kann der Intermetatarsalraum entlastet werden.

Infiltrationstherapie

Die Kombination des Lokalanästhetikums mit Cortison kann durch die entzündungshemmende Wirkung eine längere oder in manchen Situationen eine dauerhafte Besserung bringen3. Infiltrationen mit Cortison sollten aufgrund der Nebenwirkungen wie Fettpolsteratrophie und Hypopigmentierung nicht mehr als 2-3 Mal jährlich wiederholt werden3, 4.

Andere wirksamen Alternativen zu Cortison sind Infiltrationen mit Alkohol5, Botulinumtoxin6 und Hyaluronsäure7. Diese Methoden werden aufgrund relativ höherer Komplikationsrate oder geringer Beweise  bei uns nicht durchgeführt.

Operationen bei Morton Neuralgie

Bei Fehlgeschlagen der konservativen Maßnahmen ist eine operative Versorgung indiziert. Es werden zwei Arten Eingriffe durchgeführt.

Nervendekompression: Es wird das Ligamentum intermetatarsale durchtrennt und ggf. der Nerv von der Wucherung befreit. Der Eingriff kann entweder offen oder endoskopisch durchgeführt werden. Es wurde eine Besserung in ca. 80% der Fälle mit einer Komplikationsrate von 6% berichtet.8

Nervenamputation: Es werden durch einen kleinen Schnitt der Ligamentum intermetatarseum durchtrennt und der Nerv zusammen mit der benachbarten Wucherung entfernt. Bei korrekter Indikation wird eine Besserung der Symptome in bis 88% der Fälle bei einer Komplikationsrate von 25% erreicht8, 9, 10 .

Literatur

1. Kasparek M, Schneider W. Surgical treatment of Morton’s neuroma: clinical results after open excision. Int Orthop. 2013;37:1857–1861. 

2. Peters PG, Adams SB Jr, Schon LC. Interdigital neuralgia. Foot Ankle Clin. 2011;16:305–315.

3. Thomson CE, Beggs I, Martin DJ, McMillan D, Edwards RT, Russell D, Yeo ST, Russell IT, Gibson JN. Methylprednisolone injections for the treatment of Morton neuroma: a patient-blinded randomized trial. J Bone Joint Surg Am. 2013;95:790–798, S1. 

4. van Vendeloo SN, Ettema HB. Skin depigmentation along lymph vessels of the lower leg following local corticosteroid injection for interdigital neuroma. Foot Ankle Surg. 2016;22:139–141. 

5. Hughes RJ, Ali K, Jones H, Kendall S, Connell DA. Treatment of Morton’s neuroma with alcohol injection under sonographic guidance: follow-up of 101 cases. AJR Am J Roentgenol. 2007;188:1535–1539. 

6. Climent JM, Mondéjar-Gómez F, Rodríguez-Ruiz C, Díaz-Llopis I, Gómez-Gallego D, Martín-Medina P. Treatment of Morton neuroma with botulinum toxin A: a pilot study. Clin Drug Investig. 2013;33:497–503. 

7. Lee K, Hwang IY, Ryu CH, Lee JW, Kang SW. Ultrasound-Guided Hyaluronic Acid Injection for the Management of Morton’s Neuroma. Foot Ankle Int. 2018;39:201–204. 

8. Valisena S, Petri GJ, Ferrero A. Treatment of Morton’s neuroma: A systematic review. Foot Ankle Surg. 2017;pii:S1268–7731(17)30065-6. 

9. Mann RA, Reynolds JC. Interdigital neuroma–a critical clinical analysis. Foot Ankle. 1983;3:238–243. 

10. Richardson DR, Dean EM. The recurrent Morton neuroma: what now? Foot Ankle Clin. 2014;19:437–449.

"Wir Sind sehr glücklich, dass wir Dr. Nastai getroffen haben und von ihm behandelt worden sind. Vom ersten bis zum letzten Tag hat er unser Baby sehr gut behandelt und erfolgreich beendet. Wir vertrauen ihm sehr und sind ihm sehr dankbar. Vielen Lieben Dank Dr. Nastai."
Keklikçi Tugce Ç.
"Ich bin noch ganz frisch operiert, eine Woche. Sehr zufrieden. Schmerzen und Schwellung hoffe ich das die bald verschwunden sind. Hammerzehe (Krallenzehe) adeeee!"
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