Syndaktylie am Fuß | Zusammengewachsene Zehe

Syndaktylie am Fuß | Zusammengewachsene Zehe

Syndaktylie ist eine der häufigsten angeborenen Anomalien der Extremitäten und die häufigste Fußfehlbildung. Die Zehen können durch die Haut (cutane oder häutige Syndaktylie) oder knöchern (ossäre Syndaktylie) zusammengewachsen sein. Die Zehen können komplett zusammengewachsen (komplette Syndaktylie) oder nur ein Teil des Zehenzwischenraumes (partielle Syndaktylie). Wenn eine komplette Syndaktylie einschließlich die Zehenspitzen und die Nagelfalten einschließt, dehnt sich die partielle Syndaktylie bis ca. die Hälfte des Zehs aus. Bei kompletter Syndaktylie können die zusammengewachsenen Zehen als Super-Zeh auftreten.

Je nachdem welche Strukturen zusammengewachsen sind gibt es eine einfache und eine komplexe Variante.

Bei komplexen Syndaktylien treten oft überzählige Phalangen oder Zehen (Poly-Syndaktylie).

Cutane Syndaktylie
Partielle cutane Syndaktylie der 2. und 3. Zehen rechts.
Komplexe Syndaktylie am Fuß
Komplexe Syndaktylie am rechten Fuß: mehrere Zehen sind zusammengewachsen, der Nagel ist durchgehend, Hammerzehenfehlstellung der benachbarten Zehen. Am linken Fuß Zehenfehlstellung, hier erfolgte bereits im kindlichen Alter eine Amputation der kleinen zusammengewachsenen Zehen.

AUTOR
Dr.-medic Manuel Nastai
Fuß- und Sprunggelenkspezialist

Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen, nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Aufklärungszwecke bereitgestellt. Er dient der medizinischen Aufklärung und nicht zur Selbstdiagnose. Er ersetzt keine Vorstellung bei einem Facharzt.

INHALTSVERZEICHNIS

Ein Versagen der vorprogrammierten Zehentrennung (Apoptose) während der Schwangerschaft infolge Infektionen oder anderer Zwischenfällen führt zur Syndaktylie.

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Am häufigsten entsteht eine Syndaktylie bei männlichem Geschlecht und die weiße Rasse. Die Anomalie wird oft vererbt.

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Die Syndaktylie am Fuß entsteht bei ca. einem von 2000 Neugeborenen. In ca. 50% der Fälle entsteht beidseits.

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Man kann klinisch herausfinde, ob die Zehen nur durch Haut oder auch knöchern zusammengewachsen sind. Längenunterschiede und Achsabweichungen spiele eine wichtige Rolle in der Therapieentscheidung.

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Nach dem 2. Lebensjahr kann man im Röntgen die Mittelfußknochen beurteilen und eine knöcherne Syndaktylie identifizieren.

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Bei cutaner Syndaktylie können die Zehen aus kosmetischen Gründen getrennt werden. Die komplexen Syndaktylien führen zum Fehlwachstum und Konflikt am Schuh und benötigen eine Operation.

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Die Zehentrennung bei cutaner Syndaktylie ist eine leichte Operation. Der Zehenzwischenraum wird i.d.R. durch lokale Lappenplastik gebildet. Manchmal wird HauttransplantaTtion durchgeführt. Bei komplexer Syndaktylie wird die Zehentrennung mit Hammerzehenkorrekturen oder resezierenden Verfahren kombiniert.

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Die Ergebnisse sind je besser desto einfacher die Fehlbildung. Bei komplexen Syndaktylien werden oft mehrere Eingriffe benötigt.

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Die Komplikationen sind insgesamt selten. Die häufigsten sind infektion, Wundheilungsstörung, Vernarbungen und Durchblutungsstörungen.

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Fälle aus unserem Patientengut mit Syndaktylie.

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Der Verband wird öfters gewechselt und die Zehen darf man nach dem Erreichen der Wundtrockenheit bewegen.

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Ursachen

Der Fußentwicklung beginnt in der 7.  Schwangerschaftswoche (SSW). Am Ende der 8. SSW ist der Fuß geformt.  Am Anfang sind die Zehen nicht getrennt. Die Trennung ist ein sehr komplexen  vorprogrammierter Prozess, welcher in unserem DNA gespeichert ist. Durch die Aktivierung verschiedener Wachstumsfaktoren und spezialisierter Proteine wird ein Absterben (med. Apoptose) der Brücken und so entstehen die Zehenzwischenräume. Ein Versagen dieser Prozesse führt zur Syndaktylie. Dies kann im Rahmen irgendwelcher Zwischenfälle (z.B. Infektionen) in der Schwangerschaft entstehen.

Statistik

Statistisch sind 1 von 2000 Neugeburten betroffen. In den meisten Fällen handelt es sich um eine vererbte Fehlbildung (autosomal dominantes Vererbung). In 50% der Fälle tritt beidseits auf und ist deutlich häufiger bei Männern. Die weiße Rasse ist häufiger betroffen als die anderen.

Klinische Untersuchung

Wie bereits erwähnt, entsteht die Syndaktylie in den meisten Fällen isoliert. Man sollte jedoch auf jeden Fall bei Neugeborenem nach einem assoziiertem Syndrom nachforschen. Die Fehlbildung kann vererbt werden. Das bedeutet, dass die Eltern auch betroffen werden können. Es handelt sich um eine Vererbung mit inkompletter Penetranz, das bedeutet, dass eine Generation übersprungen werden kann (Großeltern betroffen).

Eine spezielle Untersuchung der Zehen erzielt die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Syndaktylie-Formen. So wird untersucht, ob die Bindung nur durch Haut besteht, ob auch eine knöcherne Fusion besteht oder Kombinationen der zwei. Bei cutaner Syndaktylie besteht i.d.R. keine Bewegungseinschränkung der Zehengelenke.

Wichtige Informationen für die operative Trennung sind auch ob Längenunterschiede oder Achsabweichungen bestehen sowie ob der Zehennägel auch geschweißt sind.  

Polysyndaktylie
Zusammengewachsene überzählige Zehen (Poly-Syndaktylie). Das Zusammenwachsen der Nägel ist eine wichtige Information für die OP-Planung. Durch das Wachstum ist eine Hammerzehen-Fehlstellung am 4. Zeh entstanden.

Röntgen Untersuchung

Röntgen-Aufnahmen in 2 Ebenen werden angefertigt, um die Fehlbildung genau definieren zu können. Dadurch kann man auch klinisch unzugängliche Gebiete, wie z.B. die Mittelfußknochen, beurteilen. Hierdurch kann die operative Trennung geplant werden.

Diese Untersuchung kann erst ab dem 2. Lebensjahr erfolgen, weil davor die -Zehenknochen inkomplett verkalkt sind.

Röntgen-Aufnahme bei Poly-Syndaktylie
Komplexe Poly-Syndaktylie: insgesamt 7 inkomplett gebildete Strahlen. Am 4. Mittelfußknochen sind 2 partiell knöchern zusammengewachsene Zehen, die sich im Mittelgliedbereich teilen. Der 5. Mittelfußknochen ist inkomplett und hat keinen Zeh angeschlossen.

Behandlungsindikation

Wann soll eine Syndaktylie behandelt werden?

Eine einfache cutane Syndaktylie bereitet i.d.R. keine Beschwerden. In diesen Fällen ist wäre eine Behandlung (z.B. operative Zehentrennung) ausschließlich aus kosmetischer Indikation.

Bei manchen Syndaktylien kann es zur zunehmenden Zehenfehlstellung kommen, wie z.B. Überlappung oder Verkrallung der Zehen. Diese sind selbstverständlich aus medizinischer Sicht behandlungsbedürftig.

Eine andere Behandlungsindikation sind die Super-Zehen. Diese führen durch deren Volumen zum Schuhkonflikt.

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Operative Zehentrennung (Desyndaktylisierung)

Wann soll die Zehentrennung durchgeführt werden? In welchem Alter soll die Desyndaktylisierung erfolgen?

Der Eingriff soll erst nach dem 2. Lebensjahr erfolgen, um die Vernarbung und die nachfolgender Verkummung der Zehen mit dem Wachstum zu reduzieren. Wenn keine Gefahr einer Fehlstellung besteht, empfiehlt sich sogar viel später (7.-8. Lebensjahr), um ausreichend große Weichteilverhältnisse zu haben und der Eingriff zu erleichtern. In diesem Fall engmaschige Kontrollen sind erforderlich, um eine Bildung von Zehenfehlstellungen mit dem Wachstum rechtzeitig zu entdecken.

Wie kann man zusammengewachsene Zehen trennen? Wie wird die Syndaktylie-Op durchgeführt?

Eine einfache cutane Syndaktylie wird durch die Operation nach Cronin korrigiert. Hier werden zig-zag-Inzisionen auf beiden Seiten der Zehenbrücke durchgeführt und diese werden benutzt, um den Zehenzwischenraum zu kreieren. In seltenen Fällen, v.A. bei komplexer Syndaktylie kann eine Hauttransplantation erforderlich sein. Die Haut wird von einer nicht behaarten Region entnommen und wird die gesammte Hautdicke entnommen, weil die Spalthaut führt zur Kontraktion und Zehenfehlstellung.

Intraoperative Aufnahmen bei der Desyndaktylisierung nach Cronin. links – Schnittführung, mitte – nach der weichteiligen Trennung, rechts – nach kompletter Rekonstruktion.

Bei Beteiligung mehrerer Zehe empfiehlt sich die Trennung in mehreren Sitzungen, um Durchblutungsstörungen der Zehen zu verhindern, welche zum Absterben eines Zehs führen könnte. Der Abstand zwischen die Eingriffe soll mindestens ca. 6 Monate betragen.

Bei komplexen Syndaktylien können in gleicher Sitzung auch Korrektur der Zehenfehlstellungen auch in minimalinvasiver Technik erfolgen. Bei nicht funktionsfähigen und störenden Zehen kann in manchen Situationen auch eine Amputation in Erwägung gezogen. 

Intraoperative Aufnahmen bei operativer Korrektur einer komplexen Vorfußfehlbildung. Die kleinen Zehen wurden getrennt und gleichzeitig erfolgte die Hammerzehenkorrektur.

Prognose

Wie ist die Prognose nach der Trennung zusammengewachsener Zehen? Wie sind die Ergebnisse nach Syndaktylie OP?

Die Ergebnisse hängen vom Syndaktylie-Typ. Eine Zehentrennung bei einfacher cutaner Syndaktylie führt fast regelhaft zu sehr guten Ergebnissen. Bei komplexer Syndaktylie ist die Zufriedenheitsrate niedriger und können mehrere Eingriffe benötigen. Aus allen Fällen weniger als 10% benötigen Revisionsoperationen.

Ergebnis nach Trennung cutaner Syndaktylie bei einem 8-jährigen Kind.

Komplikationen

Wie bei allen chirurgischen Eingriffen kann auch im Falle der Syndaktylie-Op eine Infektion auftreten. Dies benötigt eine sofortige und angemessene chirurgische Behandlung, um gravierende Folgen zu verhindern. Dies entsteht in ca. 1.6% der Fälle.

Andere Komplikation ist die Vernarbung. Dies kann das Wachstum der Zehen sperren und zu Fehlstellungen führen. Die korrekte Wahl des OP-Zeitpunkts, Vermeidung von Spalthaut sowie eine korrekte weichteilschonende Operationsmethode können diese Komplikation verhindern.

Die gravierendste Komplikation ist die Durchtrennung der Zehendurchblutung mit nachfolgender Nekrose der Zehe mit Notwendigkeit der Zehenamputation. Dies entsteht am häufigsten, wenn mehrere zusammengewachsene Zehen in einer Sitzung durchtrennt werden.

Nachbehandlung

Nach einer Zehentrennung blutet die Wunde i.d.R. lange. In dieser Phase wird ein dicker Verband mit saugfähigen Kompressen angelegt. Dieser soll täglich oder alle zwei Tage gewechselt werden. Um das Kleben des Verbandes an der Wunde wird eine Fettgaze verwendet.

Die Mobilisierung der Zehen beginnt, wenn die Wunden trocken sind. Um Narbenkontraktur zu vermeiden empfiehlt sich die Narben längerer Zeit nach der Operation eigenständig zu massieren.  

Mehr über Nachbehandlung nach Fußoperationen.

Fallbespiele

Ergebnis nach Trennung cutaner Syndaktylie

Zehentrennung

8 jähriges Kind mit häutiger Syndaktylie

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Folgen hat die Syndaktylie?

Die meisten Syndaktylie-Formen verursachen keine Symptome und werden nicht behandelt. Manchmal werden bei einfachen Syndaktylien Zehen aus ästhetischen Gründen getrennt. Komplexe Formen können zur Zehenverformung und Fehlwachstum führen und sollten rechtzeitig korrigiert werden.

Wie lange ist man nach Syndaktylie Op krank?

Bei normalem Heilverlauf kann man bei cutaner Syndaktylie mit ca. 4-6 Wochen rechnen. Bei komplexer Syndaktylie eher 8-12 Wochen.

Gibt es eine Verbindung zwischen Alkoholkonsum in Schwangerschaft und die Syndaktylie?

Theoretisch kann jede Exposition zu Giften während der Schwangerschaft die normale fetale Entwicklung stören und zu Fehlbildungen, wie die Syndaktylie führen. Der Alkohol ist keine Ausnahme. In der Literatur findet man Nachweise die dies belegen.

Wird die Syndaktylie Operation von der Kasse bezahlt?

Je nach Indikation. Wenn die Syndaktylie keine Beschwerden verursacht, wird die Operation aus ästhetischen Gründen durchgeführt. In diesem Fall werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Bei Zehenfehlstellung, Fehlwachstum besteht eine medizinische Indikation und werden übernommen.

"Wir Sind sehr glücklich, dass wir Dr. Nastai getroffen haben und von ihm behandelt worden sind. Vom ersten bis zum letzten Tag hat er unser Baby sehr gut behandelt und erfolgreich beendet. Wir vertrauen ihm sehr und sind ihm sehr dankbar. Vielen Lieben Dank Dr. Nastai."
Keklikçi Tugce Ç.
"Ich bin noch ganz frisch operiert, eine Woche. Sehr zufrieden. Schmerzen und Schwellung hoffe ich das die bald verschwunden sind. Hammerzehe (Krallenzehe) adeeee!"
Hilde L.
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Kurze Zusammenfassung

Die Syndaktylie ist die häufigste Fußfehlbildung.

Die Zehen können nur durch die Haut oder auch knöchern zusammengewachsen sein.

Die Zehentrennung soll ab den 2. Lebensjahr erfolgen. Wenn keine Zehenfehlstellung durch den Wachstum droht, empfiehl sich mit der Operation abzuwarten, bis die Zehen groß genug sind. 

Die Trennung cutaner Syndaktylie ist einfach. Die Komplikationsrate bei komplexen Syndatylien ist größer.

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