Hinweis: Zu Beginn wird das rechte Bein bzw. der rechte Fuß gezeigt. Im weiteren Verlauf des Berichts wird die linke Seite dargestellt und erläutert. Beide Füße wurden jedoch operativ versorgt. Das postoperative Ergebnis ist beidseits vergleichbar und in seiner Korrektur sowie Funktion gleichwertig zu beurteilen.
Die Patientin stellte sich mit seit Jahren progredienten Beschwerden an beiden Füßen vor (hier ist zunächst der rechte Fuß abgebildet). Im Vordergrund standen zunehmende Schmerzen am äußeren Fußrand, eine ausgeprägte Gangunsicherheit sowie wiederholte Umknickereignisse mit Außenbandverletzungen. Im Verlauf hatte sich beidseits eine deutliche Fußfehlstellung entwickelt, die konservativ nicht mehr ausreichend beherrschbar war.
Ursächlich lag eine neurologische Grunderkrankung im Sinne einer axonalen Degeneration vor, die zu einer fortschreitenden muskulären Dysbalance geführt hatte. Zusätzlich bestand eine leichte geistige Retardierung, was für die Therapieplanung von wesentlicher Bedeutung war.
Dieser Text wurde nach bestem Wissen und Gewissen nach aktuellem wissenschaftlichen Stand zu Aufklärungszwecken bereitgestellt. Er dient der medizinischen Aufklärung und nicht zur Selbstdiagnose. Er ersetzt keine Vorstellung bei einem Facharzt.
Inhaltsverzeichnis
Hohlfuß (Pes cavovarus) – Definition, Beschwerden und Ursachen
Der Hohlfuß (Pes cavovarus) ist eine komplexe, dreidimensionale Fußfehlstellung, die durch eine krankhafte Erhöhung des medialen Längsgewölbes gekennzeichnet ist. Typisch ist eine plantare Fixierung des Vorfußes im Verhältnis zum Rückfuß, häufig kombiniert mit einer Varusstellung der Ferse (Pes cavovarus). Dadurch kommt es beim Gehen zu einer unphysiologischen Belastung; insbesondere der äußere Fußrand übernimmt einen Großteil der Last.
Es zeigt sich ein ausgeprägter Pes cavovarus mit folgenden Merkmalen:
Gelb markiert: Deutlich erhöhtes mediales Längsgewölbe, typisch für einen Pes cavovarus.
Das Fußgewölbe ist steil aufgerichtet und weist auf eine plantare Fixierung des Vorfußes im Verhältnis zum Rückfuß hin. Plantarflexion des Vorfußes im Verhältnis zum Rückfuß.
Insgesamt ergibt sich der Hinweis auf eine dreidimensionale Fehlstellung, bei der der Vorfuß den Rückfuß funktionell „mitzieht“.
In der dorsalen Ansicht zeigt sich zudem eine deutliche Achsenabweichung des Rückfußes:
Blau markiert: Eine vertikale Linie stellt die anatomische Unterschenkelachse dar, eine schräg verlaufende Linie die Rückfußachse. Daraus resultiert eine Varusstellung der Ferse. Der Befund ist vereinbar mit einem Pes cavovarus, bei dem der Rückfuß nach medial gekippt ist.
Patientinnen und Patienten mit Hohlfuß leiden häufig unter Schmerzen, Schwielenbildung, Druckstellen sowie Instabilität des Sprunggelenks. Rezidivierende Umknicktraumata mit Bandverletzungen sind typisch.
Die häufigste Ursache ist neurologischer Natur, etwa hereditäre oder erworbene Neuropathien, axonale Degenerationen oder zentrale Nervenschädigungen. Durch das muskuläre Ungleichgewicht entsteht eine schleichende, progressive Fehlstellung, die im fortgeschrittenen Stadium strukturell fixiert ist und konservativ nicht mehr korrigiert werden kann.
Eine plantigrade und belastungsstabile Fußposition ermöglicht eine gleichmäßige Druckverteilung sowie ein stabiles Gangbild.
Klinischer Befund
Beidseits zeigte sich eine ausgeprägte Hohlfußdeformität mit deutlich erhöhtem Fußgewölbe. Der Vorfuß war plantar fixiert, der Rückfuß befand sich in Varusstellung. Beim Auftreten kippte der gesamte Fuß nach innen, was zu einer erheblichen Fehlbelastung des lateralen Fußrandes führte. Klinisch bestand das Bild eines typischen Pes cavovarus.
Die Patientin berichtete über häufige Supinationstraumata mit wiederholten Außenbandverletzungen sowie über chronische Schmerzen am äußeren Fußrand. Die Fehlstellung war strukturell fixiert; eine manuelle Korrektur war nicht möglich. Orthopädietechnische Maßnahmen wie Einlagen oder Spezialschuhe hatten keine ausreichende Beschwerdelinderung erbracht.
Bildgebung
Die präoperativen Röntgenaufnahmen zeigten beidseits die typische Konstellation eines Pes cavovarus mit erhöhtem Längsgewölbe, Fehlstellung der Rückfußachse und pathologischer Belastung des lateralen Fußanteils. Die Gelenkflächen des oberen und unteren Sprunggelenks waren fehlgestellt, jedoch ohne relevante degenerative Destruktionen.
Postoperativ bestätigten die Aufnahmen eine regelrechte Achskorrektur. Die Füße standen orthograd und plantigrad. Die fusionierten Gelenke zeigten eine stabile Fixation mit korrekt positioniertem Osteosynthesematerial. Das Fußgewölbe war sichtbar abgeflacht, die Belastungsachse normalisiert.
Therapieplanung
Aufgrund der neurologischen Grunderkrankung sowie der eingeschränkten Fähigkeit, postoperative Entlastungsanweisungen zuverlässig umzusetzen, musste ein Therapiekonzept gewählt werden, das eine sofortige Belastbarkeit ermöglicht.
Angestrebt wurde die Wiederherstellung einer geraden, belastungsstabilen Fußstellung mit gleichmäßiger Sohlenbelastung. Aufgrund der fixierten Deformität war eine konservative Therapie ausgeschlossen. Rekonstruktive Eingriffe mit längerer Entlastungsphase erschienen angesichts der eingeschränkten Compliance nicht erfolgversprechend.
Daher wurde ein operatives Konzept gewählt, das eine unmittelbare postoperative Belastung erlaubt. Dieses umfasste die Versteifung des oberen und unteren Sprunggelenks in korrigierter Stellung sowie eine zusätzliche Korrektur des überhöhten Fußgewölbes im Mittelfußbereich.
Operation
Die operative Versorgung erfolgte seitengetrennt. Auf dem Foto ist das linke Bein dargestellt.
Über einen lateralen Zugang wurde zunächst das Wadenbein reseziert. Anschließend wurden das obere und das untere Sprunggelenk in korrigierte, orthograde Stellung gebracht und mittels intramedullärem Nagelsystem unter Kompression stabilisiert (Arthrodese von OSG und USG).
Zur Abflachung des überhöhten Fußgewölbes wurde zusätzlich eine Cole-Osteotomie im Bereich des Mittelfußes durchgeführt (siehe unteres Röntgenbild). Hierbei wurde ein knöcherner Keil entfernt, um die plantare Fixierung des Vorfußes zu lösen und die Fußform zu normalisieren. Die Fixation erfolgte stabil, sodass keine zusätzliche Entlastung erforderlich war. Postoperativ wurde das Bein vorübergehend eingegipst.
Unmittelbares Ergebnis
Bereits unmittelbar nach der Operation zeigte sich klinisch eine deutliche Verbesserung der Fußstellung. Beide Füße standen gerade, die Fersen waren orthograd ausgerichtet, und eine plantigrade Belastung war möglich. Die zuvor bestehende laterale Überlastung war aufgehoben.
Nachbehandlung
Postoperativ war eine direkte Vollbelastung möglich. Der Gips diente ausschließlich dem Schutz und wurde im Verlauf entfernt. Die Nachbehandlung erfolgte mittels klinischer und radiologischer Verlaufskontrollen. Eine längere Entlastungsphase war nicht erforderlich.
Verlauf / Ergebnis
Im Verlauf von zwei bis drei Monaten zeigte sich eine stabile knöcherne Konsolidierung der Arthrodesen. Klinisch bestand ein deutlich verbessertes, sicheres Gangbild ohne erneute Umknickereignisse. Schmerzen am äußeren Fußrand traten nicht mehr auf. Druckstellen oder Friktionsprobleme bestanden ebenfalls nicht.
Funktionell profitierte die Patientin deutlich von der Korrektur, insbesondere durch die verbesserte Stand- und Gangsicherheit im Alltag.
Der beidseitige Pes cavovarus ist häufig Ausdruck einer neurologischen Grunderkrankung und stellt eine komplexe therapeutische Herausforderung dar. In fortgeschrittenen, strukturell fixierten Stadien sind konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend.
Dieser Fall zeigt, dass durch eine gezielte operative Strategie mit Arthrodese des oberen und unteren Sprunggelenks in Kombination mit einer Mittelfußkorrektur eine stabile, plantigrade Fußstellung erreicht werden kann.
Insbesondere bei eingeschränkter Compliance ist ein Verfahren mit sofortiger Belastbarkeit entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Patientin konnte durch den Eingriff dauerhaft schmerzarm mobilisiert und vor weiteren Instabilitätsereignissen geschützt werden
Besonders bei eingeschränkter Compliance ist ein Verfahren mit sofortiger Belastbarkeit entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Patientin konnte durch den Eingriff dauerhaft schmerzarm mobilisiert und vor weiteren Instabilitätsereignissen geschützt werden.




























