Man unterscheidet zwei Spitzfüßgruppen, abhängig davon, ob man eine Neutralstellung (90°) des Sprunggelenkes erreichen kann:
Redressierbarer Spitzfuß
- Physiologischer Zehenspitzengang
Es handelt sich um eine normale Phase in der motorischen Kinderentwicklung. In den ersten 2-3 Jahren läuft jedes Kind eine Weile auf Zehenspitzen. Sobald die Muskulatur kräftig genug ist und das Kind sie besser steuern kann, rollt es den gesamten Fuß ab.
Wenn der Zehenspitzengang nach diesem Alter fortbesteht und man keine verursachende neuro-muskuläre Erkrankung feststellen kann, spricht man von einem habituellen Zehenspitzengang. Die Fehlstellung entsteht nur beim Gehen. Im Stehen und im Sitzen berührt die Ferse den Boden. Man kann passiv das OSG gut strecken.
Es handelt sich i.d.R. um Spitzfüße aufgrund einer neuromuskulären Grunderkrankung. Hier zählen die Infantile Cerebralparese (ICP), die Muskeldistrophien usw. Dies Streckmuskulatur ist schwächer und die Wademuskulatur hat einen erhöhten Tonus. Dieses Ungleichgewicht führt zur Spitzfußstellung.
Lähmungen der OSG-Streckmuskulatur führen durch die erhaltene Aktivität der Wadenmuskulatur zu einer spitzfuß-ähnlichen Stellung. Ursachen sind Bandscheibenvorfälle oder Verletzungen der Nerven der vorderen Unterschenkelmuskelgruppen
- Kompensatorischer Spitzfuß
Beinlängenunterschiede führen zu einer Gangbildstörung. Um ein Hinken zu vermeiden, läuft der Patient automatisch auf der Zehenspitze des kürzeren Beines.
Manche Patienten mit ICP entwickeln eine Verkürzung der Kniebeuger-Muskulatur und das Knie kann nicht mehr komplett gestreckt werden. Patienten merken, dass das Laufen auf Spitzfüßen stabiler und weniger energiebedürftig ist. Oft werden die Ursache dieser Spitzfüße falsch interpretiert und unnötige Achillessehnenverlängerungen durchgeführt.
Fixierter Spitzfuß
Durch eine Verkürzung der Wadenmuskulatur kann das Sprunggelenk passiv nicht mehr gestreckt werden. Im Anfangsstadium kann das OSG über 90° gestreckt werden, wenn das Knie gebeugt ist (Verkürzung des M. gastrocnemius). In fortgeschrittenem Stadium bleibt die Spitzfuß-Fehlstellung auch wenn das Knie gebeugt ist (Verkürzung des M. gastrocnemius und soleus).