Bei dem 29-jährigen Patienten besteht seit mehreren Jahren eine beidseitige Hohlfußfehlstellung, die mit zunehmenden Schmerzen einhergeht und sich zuletzt deutlich verschlechtert hat. Während in der Jugend normales Laufen und sportliche Aktivitäten wie Fußball problemlos möglich waren, kam es in den letzten Monaten zu erheblichen Einschränkungen im Alltag. Selbst kurzes Gehen bereitete dem Patienten starke Beschwerden; sportliche Aktivitäten waren nicht mehr möglich. Eine Versorgung mit orthopädischen Einlagen erfolgte bereits im Vorfeld, brachte jedoch nur vorübergehend eine leichte Linderung. Im weiteren Verlauf kam es trotz dieser Maßnahme zu einer Zunahme der Schmerzen.
Was ist ein Hohlfuß?
Ein Hohlfuß (Pes cavus) beschreibt eine Fußfehlstellung, bei der das Längsgewölbe übermäßig hoch ausgebildet ist. Der Fuß wirkt dadurch nach innen gekrümmt, und der Schwerpunkt der Belastung verlagert sich auf die Ferse und den Vorfuß. Die Folge sind häufig überlastungsbedingte Schmerzen, eine instabile Gehfähigkeit und Fehlbelastungen der angrenzenden Gelenke. Wiederholtes Umknicken und gelegentliche Frakturen infolge dieser Instabilität gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen.
Bildvergleich: Hohlfuß vs. Normalfuß
Ein gesunder Fuß (siehe rechtes Bild) sollte das Körpergewicht gleichmäßig über Ferse, Fußaußenkante und Vorfuß verteilen. Beim Hohlfuß (siehe linkes Bild) hingegen kommt es zu einer Überlastung einzelner Bereiche – häufig mit schmerzhaften Folgen. Frühzeitige Diagnostik und gegebenenfalls operative oder konservative Therapie können helfen, Beschwerden zu lindern und die Funktion wiederherzustellen.
Ursachen & typische Beschwerden
Hohlfüße können angeboren oder erworben sein – beispielsweise durch neurologische Erkrankungen, muskuläre Dysbalancen oder Fehlbelastungen. Häufig entwickeln sich die Symptome schleichend, mit zunehmender Fehlstellung kommt es jedoch zu:
– chronischen Schmerzen an der Fußaußenkante
– Fehlbelastungen im Sprunggelenk
– Zehenfehlstellungen (z. B. Krallenzehen)
– eingeschränkter Schuhversorgung
– Sturzanfälligkeit und instabilem Gangbild
Diagnostik
Bei der Untersuchung fiel auf, dass das Fußgewölbe des Patienten stark überhöht war (Pes cavus). Der erste Mittelfußknochen war deutlich nach unten abgesenkt (plantar geneigter erster Strahl), wodurch sich ein steiles Gewölbe gebildet hatte. Die Ferse war auffällig nach innen gekippt (Rückfußvarusstellung).
Auch das Gangbild war deutlich verändert: Anstatt mit der Ferse aufzutreten, wie es normalerweise der Fall ist, setzte der Patient mit dem Vorfuß auf. Dabei kippte die Ferse nach innen, was zu einer dauerhaften Überlastung der Außenseite des Fußes führte (laterale Überlastung).
Das Sprungbein war bereits vollständig nach oben gestreckt, wodurch eine weitere Bewegung in Richtung Fußrücken (Dorsalextension) nicht mehr möglich war. Der Hals des Sprungbeins stieß dabei an die Vorderkante des Schienbeins.
Röntgendiagnostik bei Hohlfuß
Die Röntgenbilder zeigen die knöchernen Fehlstellung des linken Fußes vor der Operation:
Analyse der Fußstatik in der seitlichen Röntgenaufnahme (stehend, links):
In der seitlichen Röntgenaufnahme erkennt man den deutlichen Winkel zwischen der Längsachse des Sprungbeins (Talus) und der des ersten Mittelfußknochens – ein typisches Maß für die Ausprägung eines Hohlfußes (Pes cavus). Die Ferse ist zusätzlich deutlich nach innen geneigt, was die Beschwerden an der äußeren Fußkante erklärt. Diese Achsabweichung kann langfristig zu Knorpelschäden, Gelenküberlastung und schließlich zu Arthrose führen, wenn sie nicht behandelt wird.
Calcaneus Pitch Winkel – Beurteilung des Fußlängsgewölbes
Der Calcaneus Pitch Winkel ist ein wichtiger radiologischer Parameter zur Beurteilung der Höhe des Fußlängsgewölbes. Er ergibt sich aus dem Winkel zwischen:
- der Unterfläche des Calcaneus (Fersenbein – von der Tuberositas calcanei bis zum vorderen Unterrand)
- einer horizontalen Bodenlinie (z. B. der Standfläche)
In der vorliegenden seitlichen Röntgenaufnahme sind die relevanten anatomischen Bezugslinien farblich hervorgehoben:
- Gelbe Linien unten: Referenzlinie entlang der Standfläche
- Gelbe Linien entlang der Calcaneus-Unterkante: anatomische Achse des Fersenbeins
Der Winkel zwischen diesen beiden Linien ergibt den Calcaneus Pitch.
Bei einem Hohlfuß (Pes cavus) ist dieser typischerweise deutlich erhöht – Werte über 30° sprechen für ein stark überhöhtes Längsgewölbe.
Zusätzlich zeigt sich in der Aufnahme ein deutlich erhöhter TMT-Winkel (Talometatarsal-Winkel), der normalerweise annähernd eine gerade Linie bilden sollte. Die Abweichung deutet auf eine ausgeprägte Fehlstellung hin (siehe Blaue Linie).
Therapieplanung
Der Patient entschied sich für eine operative Korrektur. Aufgrund der Komplexität erfolgte ein stufenweises Vorgehen mit vier minimalinvasiven Eingriffen:
1. Rückfußkorrektur beidseits (siehe Linkes Bild): Durchführung einer minimalinvasiven Cole-Osteotomie zur Senkung des überhöhten Fußlängsgewölbes (Pes cavus) beidseits (siehe blaue Linien). Zusätzlich erfolgte beidseits eine minimalinvasive Dwyer-Osteotomie zur lateralen Korrektur der Rückfußvarusstellung (siehe gelbe Linien)
2. Korrektur der Zehen I–V beidseits (siehe Rechtes Bild): Minimalinvasive Interphalangeal-Arthrodese der Großzehen (Digitus I) zur Korrektur der Hammerzehenfehlstellung. Minimalinvasive Umstellungsosteotomien der Zehen II–V zur Begradigung der Kleinzehenfehlstellungen beidseits (Hammer-, Krallen- bzw. Klauenzehen).
Operation 1 – Rückfußkorrektur bei Hohlfuß
Minimalinvasiv wurde ein Knochenkeil im Bereich des Mittelfußes mittels einer speziellen Fräse über einen kleinen Hautschnitt entfernt (Cole-Osteotomie). Durch das anschließende Zuklappen des osteotomierten Segments konnte das überhöhte Fußlängsgewölbe signifikant abgesenkt und somit anatomisch normalisiert werden. Die temporäre Fixation erfolgte mittels Kirschnerdrähten, die über Hautniveau belassen wurden.
Zusätzlich wurde ebenfalls minimalinvasiv eine Dwyer-Osteotomie durchgeführt: Die Ferse (Calcaneus) wurde durchtrennt und nach lateral verschoben, um die pathologische Rückfußvarusstellung zu korrigieren. Die neue Position wurde anschließend mit einer Schraube stabil fixiert.
Postoperativ:
– 6 Wochen Entlastung in Gipsschiene
– danach Entfernung der Drähte und Fortsetzung der Therapie
Operation 2 – Minimalinvasive Hammerzehenkorrektur
Nach Entfernung der temporären Kirschnerdrähte erfolgte im zweiten Schritt die minimalinvasive Korrektur der stark kontrakten Zehen I–V. Über kleinste Hautinzisionen wurden die verkürzten Beugesehnen gezielt durchtrennt sowie osteotomisch die verkrümmten Zehenknochen korrigiert, um eine gerade und funktionelle Zehenstellung zu ermöglichen. Weitere Informationen zu dieser minimalinvasiven Operationstechnik finden Sie unter:🌐 https://www.drnastai.de/projects-archive/minimalinvasive-hammerzehen-korrektur/
Die Stellung wurde mit einem Tapeverband gesichert, gefolgt von einem zirkulären Gipsverband zur funktionellen Ruhigstellung – belastungsfähig.
Operationen 3 und 4 – Linker Fuß analog korrigiert
Drei Monate später erfolgte dieselbe Operationsstrategie auf der linken Seite. Auch hier wurde eine Rückfußachse mit minimalinvasiver Fräse korrigiert, eine Cole-Osteotomie durchgeführt, gefolgt von der minimalinvasiven Hammerzehenkorrektur und Ruhigstellung des zirkulären Gipsverband.
Ergebnisse mit Abschluss der Therapie
Vorher-Nachher: Deutliche Korrektur des Hohlfußes, um Ihnen die Veränderung und den Behandlungserfolg anschaulich zu zeigen, sehen Sie hier präoperative und postoperative Bilder aus verschiedenen Perspektiven.
Links jeweils der Zustand vor der Operation – deutlich erkennbar:
- Das stark überhöhtes Fußgewölbe,
- Die Fehlstellung der Ferse,
- Die ungünstige Druckverteilung.
Rechts sehen Sie das postoperativ korrigierte Ergebnis – mit:
- Harmonisiertem Fußgewölbe,
- Verbesserter Achsstellung,
- Stabilisierter Rückfußführung.
Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich beidseits ein stark überhöhtes Längsgewölbe. Der erste Mittelfußstrahl war deutlich plantar abgesenkt, die Ferse nach medial geneigt (Rückfußvarus), und alle fünf Zehen wiesen eine ausgeprägte Kontraktur auf (Hammerzehen I–V).
Das Gangbild war entsprechend pathologisch verändert: Der Patient setzte nicht mit der Ferse, sondern mit dem Vorfuß auf – was zu einer chronischen Überlastung der äußeren Fußkante führte.
Postoperativ zeigt sich eine deutliche Normalisierung:
- Das Fußgewölbe ist physiologisch flach konturiert,
- der Vorfuß zeigt nun gerade nach vorn und ist nicht mehr nach innen geneigt,
- die Ferse ist korrekt nach lateral verlagert und stabilisiert,
- das obere Sprunggelenk kann wieder physiologisch belastet werden.
Die Gewichtsverteilung erfolgt nun gleichmäßig über die gesamte Fußsohle. Das Abrollen erfolgt wie vorgesehen: Zunächst Fersenkontakt, dann Überrollen über den Mittelfuß bis zu den Zehen – ein deutlich verbessertes, natürliches Gangbild.
Plus Bild: Präoperativ ein Bein und Postoperativ anderes Bein
Die radiologische Bildgebung bestätigte die klinischen Befunde. Der Calcaneus Pitch Winkel lag deutlich über 30°, was für ein stark überhöhtes Fußgewölbe spricht. Zusätzlich zeigte sich ein deutlich vergrößerter Talometatarsal-Winkel (TMT-Winkel) als Zeichen der Fehlstellung des ersten Strahls. Die Ferse war im seitlichen Röntgenbild klar nach medial verkippt, und es bestand eine massive Fehlstellung der Zehenachsen.
Im klinischen Vorher-Nachher-Vergleich zeigt sich eine eindrucksvolle Verbesserung. Das überhöhte Fußgewölbe ist deutlich abgeflacht, die Rückfußachse korrigiert, und die Zehenstrahlen sind nun gerade ausgerichtet.
Der Patient tritt wieder mit der Ferse auf, das Gangbild ist harmonisch und stabil. Auch äußerlich ist die Veränderung klar sichtbar – bei minimalen Narben. Radiologisch ist der Calcaneus Pitch nun deutlich reduziert, der TMT-Winkel nahezu begradigt und die Fixationsmaterialien korrekt positioniert.
TMT Winkel und Calcane Pitch Winkel bei Postoperativ einzeichnen
In den Kontrollaufnahmen zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Fußachsen, ein harmonisiertes Gewölbe sowie stabile knöcherne Verhältnisse nach der Korrektur.
Nach insgesamt ca. einem Jahr war die gesamte Behandlung abgeschlossen. Die Fußgewölbe sind nun deutlich abgeflacht, die Fersen stehen wieder mittig – das Körpergewicht wird die Sprunggelenke gleichmäßig verteilt. Die Zehen sind begradigt, eine normale Schuhversorgung ist möglich. Orthopädische Schuhe sind nicht mehr notwendig. Der Patient kann wieder normal gehen, Sport treiben und ist schmerzfrei.
Die Röntgenkontrolle zeigt die stabil verheilten Osteotomien, die Fersenschraube liegt tief im Knochen und muss nicht entfernt werden.
Seine persönliche Erfahrung hat er in einer öffentlichen Rezension festgehalten:
Frau Anna Peysang
Dr.-medic Melanie Selle
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